Russland kontert: Neue politische Kampagne

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Im Fall des vergifteten Doppelagenten haben sich die westlichen Verbündeten hinter Großbritannien gestellt. US-Außenminister Rex Tillerson sagte, die USA stimmten mit ihrem Verbündeten überein, dass Russland „wahrscheinlich“ hinter der versuchten Ermordung des ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal stecke. Die russische Außenamtssprecherin Sacharowa bezeichnete die Debatte im britischen Parlament inzwischen als „Zirkus-Show“.

Vizepräsident Dombrovskis sagte in Brüssel, die EU-Kommission sei sehr besorgt. Außenminister Tillerson erklärte, er wisse zwar nicht, ob die russische Regierung von der Vergiftung gewusst habe. Das eingesetzte Nervengift aber stamme eindeutig aus Russland. Er betonte, den Vereinigten Staaten sei das bei dem Angriff genutzte Mittel bekannt. Es sei nicht weit verbreitet und „nur in den Händen einer sehr, sehr begrenzten Anzahl von Akteuren“ zu finden.

Die britische Premierministerin May hatte vorher schon im Parlament in London gesagt, entweder sei Moskau selbst für den Anschlag verantwortlich oder habe zugelassen, dass das Gift in fremde Hände gerate. Wörtlich sagte sie: „Jetzt ist es klar, dass Skripal und seine Tochter mit einem militärischen Nervenkampfstoff von einem in Russland entwickelten Typ vergiftet wurden.“ May forderte eine Erklärung der russischen Regierung und drohte mit Sanktionen. Sie verwies auf die Ausweisung von Diplomaten, Aussetzung der Zusammenarbeit der Geheimdienste und andere Maßnahmen im Zusammenhang mit der Vergiftung des ehemaligen russischen FSB-Offiziers Alexander Litwinenko.

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok zwischen den 70er und den 90er Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen. Als mögliches Gegenmittel kann etwa Atropin eingesetzt werden. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa hat bereits auf die Erklärung der britischen Premierministerin reagiert. Wie die staatliche russische Agentur Sputnik berichtete, bezeichnete Sacharowa die Debatte als „eine Zirkus-Show im britischen Parlament“. Die Schlussfolgerung liege auf der Hand: „Das ist eine neue informationelle und politische Kampagne, die auf Provokation basiert“, sagte Sacharowa gegenüber der Presse.

Wie Sputnik weiter berichtete, habe der Vizechef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Wladimir Dschabarow, die Vermutung geäußert, dass die Geheimdienste Großbritanniens oder von Drittländern die Provokation mit Skripals Vergiftung angezettelt haben könnten, um Russland zu bezichtigen und zu beschmutzen. „Zu dem Zeitpunkt, als das passierte, war der ‚Schuldige‘ bereits ernannt – das war Russland“, wird Dschabarow von Sputnik zitiert.

Quellen: RWBinfo mit Material von Welt, Deutschlandfunk und Sputnik / eingebettetes Video von Welt über Youtube