Gillrath: Megafusion keine gute Nachricht

Wilfried Gillrath, der Geschaftsfuhrer von LichtBlick, verantwortlich für Unternehmensentwicklung, Technik, Forschung und Entwicklung. Foto: LichtBlick

Die Energieunternehmen E.on und RWE haben eine Neuaufteilung ihrer Geschäfte beschlossen. E.on will die RWE-Tochter Innogy übernehmen. Dafür erhält RWE einen 17-Prozent-Anteil an E.on und Beteiligungen an den zwei RWE-Atomkraftwerken Emsland und Gundremmingen. Genehmigen die Kartellämter den Deal, könnte Europas größter Energieversorger entstehen. Verdi-Chef Bsirske begrüßt die Pläne, der Vorstandchef des Öko-Stromanbieters LichtBlick Gillrath kritisiert den Deal dagegen heftig.

Innogy-Vorstand Tigges hatte auf der Bilanzpressekonferenz in Essen noch angekündigt, das Unternehmen wolle seine Kosten bis 2020 um 400 Millionen Euro senken. Zu eventuellen Fusionsplänen wolle er sich später äußern.

Rund 40.000 Mitarbeiter sind bei Innogy beschäftigt. Unter ihnen herrscht nun Verunsicherung. Sie befürchten, dass es durch die Zerschlagung zu einem Stellenabbau kommt. Betroffen wären vor allem der Vertrieb und die Verwaltung. Die Gewerkschaft Verdi kündigte unterdessen an, die geplante Neuordnung unterstützen zu wollen. Verdi-Chef Bsirske sagte in Potsdam, die Pläne seien ein Mega-Deal in der Größenordnung von 43 Milliarden Euro, den die Gewerkschaften begrüßten.

Unklar ist, wie sich die Kartellwächter gegenüber einem solchen Deal verhalten werden, der mit Sicherheit gewaltige Auswirkungen für den Strommarkt haben wird. Wettbewerbsexperte Justus Haucap sieht in der Übernahme von Innogy durch Eon kein Problem. „Aus Wettbewerbssicht ist der Deal ziemlich unproblematisch. Die Netze unterstehen ohnehin der Regulierung durch die Bundesnetzagentur oder Landesregulierungsbehörden, dabei ist es völlig egal, ob Innogy oder Eon die Eigentümer sind“ sagte der Professor an der Universität Düsseldorf, früher Mitglied der Monopolkommission, heute der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

Auch im Stromvertrieb sieht er wenig Probleme: „Im Vertrieb haben wir sowohl bei Geschäftskunden als auch bei Privatkunden einen sehr aktiven Wettbewerb mit zahlreichen Anbietern. Ob es da nun einen Anbieter mehr oder weniger gibt, ist für den Wettbewerb fast egal.“

Haucap verwies auf die Entwicklung des Marktes: „Vor zehn Jahren hätte ich eine solche Fusion anders beurteilt und die Kartellbehörden hätten ein solches Vorhaben wohl auch kaum genehmigt. Inzwischen ist die Marktmacht der ehemals „großen vier“ aber fast völlig zerbröselt und die Fusion daher auch nicht kritisch.“

Wilfried Gillrath, Geschäftsführer des Ökostrom-Marktführers LichtBlick, erklärte unterdessen, dass ein entstehender „Megakonzern mit großer Marktmacht“ den Wettbewerb im Strommarkt gefährde, was „auf Dauer zu höheren Strompreisen für die Verbraucher führen“ könnte. Er forderte das Kartellamt auf, die Fusion daher sehr kritisch zu prüfen. Gillrath empfiehlt als „mögliche Lösung“ den Verkauf von Kundestämmen großer Tochtergesellschaften wie „Eprimo“ und „E wie Einfach“ an andere Wettbewerber. „So würde die Marktmacht des neuen Konzernes begrenzt“, argumentierte er.

„Mit der Übernahme von Innogy durch Eon entsteht kein Ökostrom-Konzern“, sagt LichtBlick-Chef. Schon bisher verkaufe Innogy lediglich drei Prozent Ökostrom an seine Kunden, bei Eon seien es lediglich sieben Prozent. „Der Löwenanteil ist konventionelle Energie aus Kohle, Atom und Gas.“ Jetzt wird auch die grüne Erzeugung von Eon und Innogy in die Hand von RWE gelegt, meint Gillrath und schlussfolgert: „Es entsteht ein Konzern, der auf die Rezepte der alten Energiewelt setzt. Für die Energiewende in Deutschland ist das keine gute Nachricht.“