Ermittlungen gegen VW ausgeweitet

Der VW-Konzern bleibt offenbar weiter unter Druck. VW-Vorstand Matthias Müller vor einer früheren Pressekonferenz. Foto: Volkswagen AG

Volkswagen wird verdächtigt, Anleger und Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße des Abgasskandals getäuscht zu haben. Nach einem Bericht der „WirtschaftsWoche“ soll die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Ermittlungen gegen den VW-Konzern ausgeweitet haben.

Wie das Blatt berichtet, seien im Ergebnis einer groß angelegten Durchsuchung Anfang März die Ermittlungen gegen VW-Mitarbeiter ausgeweitet worden. Außerdem habe man ein neues Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Marktmanipulation eingeleitet. 13 Büros habe die Behörde in der VW-Zentrale in Wolfsburg durchsucht. Die Staatsanwaltschaft soll der „WirtschaftsWoche“ bestätigt haben, dass diese Durchsuchung der „Überprüfung des Tatverdachtes und zur Ermittlung und Identifikation der handelnden verantwortlichen Personen“ diente. Demnach seien „Papiere und größere Datenmengen im Terabyte-Bereich beschlagnahmt, die nun in den nächsten Wochen auszuwerten und zu bewerten sind“.

Bei den Ermittlungen gehe es möglicherweise um falsche Verbrauchs- und damit CO2-Angaben bei Serienfahrzeugen, schreibt die Zeitung. Hintergrund sei eine Adhoc-Mitteilung von VW, die am 9. Dezember 2015 herausgegeben wurde. Die sei „objektiv inhaltlich falsch gewesen“, zitiert die „WirtschaftsWoche“ einen Sprecher der Staatsanwaltschaft. In der Meldung sei mitgeteilt worden, dass die „CO2-Thematik weitgehend abgeschlossen“ sei. Damit habe VW eine vorherige Adhoc vom 3. November 2015 revidiert. In dieser wurde vermeldet, dass es bei der Bestimmung des CO2-Wertes für die Typ-Zulassung von Fahrzeugen „zu nicht erklärbaren Werten gekommen“ sei. Rund 800.000 Fahrzeuge des VW-Konzerns sollten ursprünglich betroffen sein, die wirtschaftlichen Risiken bezifferte VW auf rund zwei Milliarden Euro.

In der Adhoc-Meldung vom 9. Dezember 2015 wurde dann mitgeteilt, dass die Aufklärung weitgehend abgeschlossen sei. „Nach umfassenden internen Prüfungen und Messkontrollen ist nun klar, dass fast alle diese Modellvarianten doch den ursprünglich festgestellten CO2-Werten entsprechen“, hieß es. Der „Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben von aktuellen Serienfahrzeugen“ habe sich nicht bestätigt. Bei den Nachmessungen habe man nur noch bei neun Modellvarianten der Marke Volkswagen leichte Abweichungen festgestellt. Statt der zuvor vermeldeten 800.000 Fahrzeuge seien nur noch 36.000 Autos betroffen.

Diese zweite Adhoc-Mitteilung werde nun von der Staatsanwaltschaft angezweifelt, berichtet die „WirtschaftsWoche“. Es „bestehen aufgrund der Erkenntnisse aus den Ermittlungen im hier geführten CO2-Grundverfahren sowie den weiteren die Abgasproblematik betreffenden Verfahren nunmehr zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass diese Darlegung unzutreffend war“, zitiert das Blatt die Staatsanwaltschaft. Aus der „möglicherweise falschen Information des Kapitalmarkts ergebe sich der Verdacht auf Marktmanipulation“, heißt es weiter. Die Staatsanwaltschaft wolle jetzt den Tatverdacht „in alle Richtungen“ überprüfen und feststellen, ob und wer von den Handelnden „die objektive Unrichtigkeit der Mitteilung kannte oder diese eindeutig hätte erkennen können“, schreibt die „WirtschaftsWoche“.