Erdogan will letzten Widerstand brechen

Bild aus dem Stadtzentrum von Afrin und dem Stadtzentrum von Şanlı Bayrağımızın. Türkische Einheiten und verbündete Milizen sind nach Medienberichten in die umkämpfte Stadt Afrin vorgerückt. Ob die gesamte Stadt bereits eingenommen werden konnte, ist derzeit noch unklar.

In Syrien sind türkische Einheiten und verbündete Milizen nach Medienberichten in die umkämpfte Stadt Afrin vorgerückt. Sie sollen angeblich die Kontrolle über das Stadtzentrum übernommen haben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete allerdings, dass erst etwa die halbe Stadt von der Allianz belagert wird.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es heftige Kämpfe gegeben. Unbestätigten Meldungen zufolge sollen mehr als 280 Zivilisten getötet worden sein. Die türkische Seite will die Zahlen nicht bestätigen. Die Operation zielt darauf ab, die Grenzregion von der kurdischen Miliz zu befreien. Diese wird von der Türkei als terroristische Gruppierung betrachtet. Schätzungsweise mehr als 200.000 Menschen sind inzwischen aus der Stadt geflohen.

Nach Medienberichten sollen die militärischen Verbände unter der Führung der Türkei bei dem Vormarsch in Afrin unnachgiebig agieren. Die Kräfte hätten etwa die Statue der kurdischen Figur Kawa niedergerissen, nachdem sie am Sonntag das Stadtzentrum eroberten, berichtete der britische Sender BBC. Kawa wehte symbolisch mit seiner als Fahne hochgehaltenen Schürze und führte einen Aufstand gegen den Drachenkönig Zahhākan an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat heute erklärt, dass am Sonntagmorgen „Einheiten der Freien Syrischen Armee“ die Kontrolle über das Zentrum von Afrin übernahmen. Er kündigte im türkischen Fernsehen an, nun den verbliebenen Widerstand brechen zu wollen. Die meisten Terroristen seien bereits „mit einem Schwanz zwischen den Beinen geflohen“. An Stelle von terroristischen Lumpen wehten nun in Afrin die „Symbole des Vertrauens und der Stabilität“.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Angaben einer vollständigen Einnahme der Stadt nicht. Sie teilte mit, dass sich etwa die Hälfte des Territoriums der Stadt unter der Kontrolle der Türken und ihrer Verbündeten befinden. Allerdings habe es am Sonntagmorgen in weiteren Gebieten heftige Zusammenstöße gegeben.